Damit ihr Hoffnung habt
Gott lässt sich finden – das Zeichen der Hoffnung für uns
Exerzitien im Alltag 2010 – sich aufmachen, IHM zu begegnen
Christliche Hoffnung wird konkret in Gott, der uns heute genauso begegnet wie den Menschen der Bibel und unseren Vorbildern im Glauben im Laufe der Jahrtausende. Er ist es, der uns Hoffnung gibt und für unsere Hoffnung bürgt. Wie kann ich ihm näher kommen, ihm begegnen, ihn erfahren, so dass es für mein Leben Auswirkungen hat?
1. Tag: Gott, und was ich über ihn denke und fühle
Ich versuche, innerlich zur Ruhe zu kommen und gebe mir Mühe an den zu denken, den wir Christen „Gott“ nennen. Wer ist er für mich? Was verbinde ich mit dem Wort Gott? Einen liebenden Vater oder den strengen Richter? Das große Auge, das alles sieht oder den Freund, an dessen Hand ich gehen kann? Welche Gefühle steigen in mir hoch, wenn ich an Gott denke? Freude, Angst, Liebe, Wärme, Abwehr,....? - Ich lasse zu, was hochkommen will und bewege meine Gedanken und Gefühle im Gebet. Ich danke Gott für alles Gute, das mir eingefallen ist, bringe ihm das Schwierige und Problematische und frage ihn selbst, wer er ist. Ich tue das mit meinen eigenen Worten, so, wie wenn ich mit einem vertrauten Menschen reden würde.
2. Tag: Bin ich Gott schon einmal begegnet?
Die Wirklichkeit Gottes lässt sich nicht abstrakt beschreiben, sondern nur aus der Begegnung heraus. Über die Jahrtausende ist er den Menschen auf sehr unterschiedliche Weise begegnet. Immer wieder spricht er zu Menschen und gibt ihnen konkrete Aufträge: Abraham soll seine Heimat verlassen und in ein Land gehen, das Gott ihm zeigen möchte, Mose soll sein Volk aus Ägypten führen, Jesaja soll das Volk zur Umkehr bringen, Paulus sieht ein Licht am Himmel und soll nach Damaskus gehen, um dort Näheres zu hören. Nicht immer ist es den Betroffenen sofort klar, dass Gott es ist, der zu ihnen spricht. Aber diese Begegnungen haben etwas in ihrem Leben verändert. - So kann ich mich fragen: Hatte ich schon einmal eine Begegnung mit Gott? Wie war das? Was hat das in mir ausgelöst? Vielleicht war es auch nur eine Ahnung von ihm. Ich nehme diese Ahnung, diese Begegnung mit in mein Gebet.
3. Tag: Gott in der Natur erleben
Heute verbringe ich meine Gebetszeit einmal in der Natur oder, falls es zu sehr regnet, an einem Fenster, durch das ich Natur sehen kann. Wenn auch das nicht möglich ist, nehme ich mir ein schönes Naturbild oder eine Blume und stelle sie vor mich hin. - Ich betrachte nun einen Baum, eine Blume, ein.... intensiv und mache mir dabei bewusst, dass Gott diese Pflanze wunderbar gemacht hat. Vielleicht komme ich über das Staunen in die Anbetung Gottes.
4. Tag: Jesus ruft Petrus in seine Nachfolge
Gott begegnet uns nicht nur in der Natur. Eine großartige Begegnung schildert uns Lukas. Ich lese Lukas 5,1-11 und schaue mir an, wie Jesus in dieser Geschichte handelt und wie Petrus darauf reagiert. Mich wundert, dass Petrus nicht protestiert hat, als Jesus einfach in sein Boot stieg. Die Begegnung mit Jesus muss etwas Überwältigendes gehabt haben: Petrus überlässt ihm einfach sein Boot, er fährt ihn ein Stück vom Land weg, er wirft die Netze dann doch aus, obwohl die Tageszeit nicht falscher hätte gewählt sein können, und nach dem großen Fischfang erkennt er seinen eigenen Zustand. Zum Schluss lässt er einfach alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Dieser Jesus war kein Mensch wie die anderen. Petrus war Gott begegnet, und das stellte sein Leben auf den Kopf. - Ich lese diese Geschichte mehrfach und versetze mich in Petrus hinein. Wie geht es mir dabei?
5. Tag: Gott ist Liebe
Ich lese und meditiere 1. Johannes 4, 8b-10: “Gott ist die Liebe. Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“ Viele Menschen zweifeln an der Liebe Gottes, weil es so viel Leid in der Welt gibt oder ihr eigenes Leben so schwierig ist. Doch tatsächlich können wir die Liebe Gottes in ihrem ganzen Ausmaß nur darin erkennen, dass Gott seinen Sohn in unsere Welt gesandt hat, um für uns zu sterben. In Natur, Geschichte und unserem eigenen Leben erkennen wir die Liebe Gottes immer nur sehr gebrochen. Nur in Jesu Kommen und in seinem Tod wird die Liebe Gottes offenbar. Er hat uns nicht allein gelassen im Elend unserer Welt. Er ist bis in die schlimmsten Tiefen mit uns gegangen und schließlich als Unschuldiger gestorben, um unsere Trennung von Gott auf sich zu nehmen und den Tod zu besiegen. Wenn wir das erfasst haben, oder wenigstens ahnen, wissen wir uns auch und gerade in unseren schlimmsten Stunden von Gott geliebt und in seiner Nähe geborgen. - Ich denke dem nach und stelle meine am ersten Tag entdeckten Gottesbilder diesem Gott der Liebe gegenüber. Ich nehme mir wieder Zeit zum Gebet, danke Jesus für sein Kommen in unsere Welt und lade ihn ein, auch in mein Leben zu kommen und darin zu wirken, besonders da, wo ich seine Liebe am nötigsten brauche.
6. Tag: Beten lässt uns die Gegenwart Gottes erfahren und verändert uns
Ich lese und meditiere Lukas 9,28-36, die Geschichte der Verklärung Jesu. Petrus, Johannes und Jakobus haben das Vorrecht, mit Jesus allein auf einen Berg zum Beten zu gehen. Dabei erleben sie die Gegenwart Gottes in besonderer Weise: Während Jesus betet, verändert sich sein Gesicht und sein Gewand. Er strahlt die Gegenwart Gottes wider. Dann können sie einen kurzen Blick in die unsichtbare Welt werfen und zwei Väter des Glaubens, Mose und Elia, sehen, die Jesus begegnen und ihm prophetisch mitteilen, was in Jerusalem auf ihn warten wird. Schließlich hören sie eine Stimme aus dem Himmel, die ihnen sagt, dass Jesus sein geliebter Sohn sei, auf den sie hören sollen. All das ereignet sich während des Betens: In der Gegenwart Gottes haben wir ein Stück Einblick in die unsichtbare Welt um uns herum, wir bekommen Offenbarung über die Zusammenhänge der Heilsgeschichte, d.h. verstehen besser, was es mit Jesus und seiner Geschichte auf sich hat, und werden von innen her verändert. Welche Verheißung! - Ich lasse mich davon locken, auch diesen Tag mit Gott zu beginnen, ihm meine Fragen zu stellen und ihm zu danken.
7. Tag: Meine Vorbilder im Glauben
Paulus sagt in Philipper 3,17-19 dass die Philipper ihn nachahmen sollen, sich ihn zum Vorbild im Glauben nehmen sollen, um nicht wieder vom einmal gefundenen Weg abzukommen. Ich könnte mich selbst fragen: Gibt es Menschen in meinem Leben, die Vorbilder im Glauben für mich sind? Es können auch Vorbilder sein, die ich nicht persönlich kennen gelernt habe, weil sie schon tot sind oder am anderen Ende der Erde leben wie z.B. Mutter Teresa. Welche dieser Menschen sind mir Vorbilder und warum? Sie müssen nicht vollkommen sein, sondern mir in einem Punkt ihres Lebens voraus sein. - Ich notiere mir ihre Namen, danke für sie und überlege, was genau ich von ihnen lernen möchte. Wie kann ich das in meinem Leben umsetzen?
Birgit Schindler
Materialien
Ewiger, heiliger, geheimnisvoller Gott
Ich komme zu dir. Ich möchte dich hören, dir antworten.
Vertrauen möchte ich dir und dich lieben, dich und alle deine Geschöpfe.
Dir in die Hände lege ich Sorge, Zweifel und Angst.
Ich bringe keinen Glauben und habe keinen Frieden. Nimm mich auf.
Sei bei mir, damit ich bei dir bin, Tag um Tag.
Führe mich, damit ich dich finde und deine Barmherzigkeit.
Dir will ich gehören, dir will ich danken, dich will ich rühmen.
Herr, mein Gott
Jörg Zink, Wie wir beten können, Kreuz Verlag, 1970, S. 9
Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst
Wenn du nicht mehr an den Gott glauben kannst, an den du früher geglaubt hast, so rührt das daher, dass in deinem Glauben etwas verkehrt war, und du musst dich besser bemühen zu begreifen, was du Gott nennst. Wenn einer an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, heißt das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass der wahre Gott nicht aus Holz ist.
Leo Tolstoi
(Aus Losungen, Gottes Wort für jeden Tag, 280. Ausgabe, 2010, 16.1.2010)
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