Gott begegnen. Leben teilen.

Kleine Gottesdienst-Führung

Unsere Gottesdienste sind offen für alle, und wir freuen uns über die, die bei uns hereinschneien. Für manche allerdings könnte unser Gottesdienst etwas ungewohnt und verwirrend sein: für die, die bisher nie Gottesdienste besucht haben, weil für sie alles neu ist, und für die, die Gottesdienste in traditionellen Kirchen besuchen, weil so vieles bei uns anders ist. Deshalb möchte ich eine kleine Einführung in unsere Art, Gottesdienst zu feiern, geben.

Unser Gottesdienstraum Im Lobpreis geben wir Gott die Ehre, unterstützt durch eine unserer Bands Der Kindergottesdienst beginnt mit einem Kinderkreis Birgit Schindler bei der Predigt Blick auf die Bühne
  1. Unser Gottesdienst ist immer wieder anders... Es gibt zwar bestimmte Teile, die immer wieder vorkommen, doch wechselt die Reihenfolge, manches kommt immer, anderes nur ab und zu vor.
  2. Wir möchten, dass unser Gottesdienst so viel wie möglich mit unserem Alltag zu tun hat. Deshalb wollen wir uns möglichst normal verhalten und auf sakrale Gewänder, sakrale Sprache, sakrale Gegenstände usw. verzichten.
  3. Die biblische Grundlage unseres Gottesdienstes haben wir von Paulus: Er schreibt im Brief an die Römische Gemeinde (Römer 12, 1-2), 1 Brüder und Schwestern, weil Gott so viel Erbarmen mit euch gehabt hat, bitte und ermahne ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der »vernunftgemäße« Gottesdienst. 2 Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist. [Römer 12, 1-2 | Gute Nachricht-Bibel] dass unser normaler, vernünftiger Gottesdienst aus unserer Hingabe an Jesus in unserem Alltag besteht; und wenn wir dann sonntags zusammenkommen, hat jeder etwas beizutragen (Brief an die Gemeinde von Korinth 14, 26). 26 Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung! [1. Korinther 14, 26 | Luther-Bibel] Unser Hauptgottesdienst geschieht also im Alltag unserer Familien, unseres Berufes und unserer Freizeit. Wenn wir dann sonntags zusammenkommen, wollen wir Gott gemeinsam für seine Hilfe danken, ihn ehren, Gemeinschaft untereinander haben und uns für die kommende Woche ausrüsten lassen. So ist der Gottesdienst Ausdruck unserer Liebe zu Gott, Freude an seiner Gegenwart und Erwartung seines Handelns unter uns.
  4. Die einzelnen Teile des Gottesdienstes:

    "Lobpreis" oder Anbetung mit Liedern

    ist fester Bestandteil jedes Gottesdienstes. Wir wollen Gott die Ehre geben, weil er Er ist, weil er in Jesus für uns gestorben ist, weil er uns liebt. Wir bringen damit zum Ausdruck, dass er Gott ist und wir seine Geschöpfe. Paulus meint, dass unser Leben seine höchste Erfüllung findet, wenn wir Gott loben und preisen. Wir praktizieren Lobpreis, indem wir vor allem neuere Lieder singen und beten. Manche bringen ihre Freude an Gott auch durch Klatschen und Tanzen zum Ausdruck. Das ist in Gottesdiensten unseres Kulturkreises ungewöhnlich, in Afrika jedoch z.B. völlig normal. Und wenn wir in Fußballstadien oder Diskos sind, verhalten wir uns in der Regel auch eher so wie Afrikaner. Warum also sollten wir unsere Freude, der wir sehr wohl Ausdruck zu verleihen imstande sind, in unseren Gottesdiensten unterdrücken? Jeder und jede kann sich so verhalten, wie er oder sie möchte. Wir wollen uns gegenseitig Raum und Freiheit geben.

    Die Predigt

    Hierzu ist nicht viel zu sagen. Wir bemühen uns darum, dass sie etwas mit unserem praktischen Leben zu tun hat und wir sie im Alltag umsetzen können. So soll sie nicht eine schöne, wohlformulierte, kluge Rede sein, sondern "Wort Gottes" für unser Leben.

    Das Gebet

    auch das kommt selbstverständlich immer vor. Gebet ist Dialog mit Gott. Wir hören im Gebet auf ihn, und er redet zu uns. Wir sagen ihm, was uns bewegt, oder antworten ihm auf das, was wir von ihm gehört haben. Oft "redet" Gott im Lobpreis zu einzelnen, sie haben plötzlich einen Eindruck, ein inneres Bild, ein Wort in ihren Gedanken, das ziemlich unvermittelt da ist. Manchmal haben wir spezielle Zeiten der Stille, um "auf Gott zu hören". Zu einem bestimmten, meist angekündigten Zeitpunkt ist dann Gelegenheit, diese Eindrücke mitzuteilen und wiederum im Gebet darauf zu reagieren. Am Gebet als solchem kann sich jeder und jede laut oder leise beteiligen. Vielleicht bedarf das Sprechen vom "Reden Gottes zu uns" noch einer besonderen Erläuterung: Gott ist kein stummer Gott, sondern ein redender. Überall in der Bibel lesen wir davon, dass er von Menschen "gehört" wurde. Dieses Hören ist in der Regel keine akustische Wahrnehmung, obwohl es diese auch geben kann, sondern ein inneres Hören. Menschen haben plötzlich eine Idee, die sie aus ihren Gedanken im Moment nicht nachweisen können, oder sie sehen vor ihrem inneren Auge ein Bild, das zu ihnen spricht, oder aber sie "sehen" vor sich eine Bibelstelle, schlagen nach und entdecken, dass diese Stelle in die Situation bzw. zu ihren Gedanken passt. In der Apostelgeschichte des Neuen Testaments wird viel von solchem Reden Gottes berichtet: z.B. Apostelgeschichte 10, 3,10-16; 13, 2; 16, 9. 3 An einem Nachmittag gegen drei Uhr hatte er eine Vision. Er sah deutlich, wie ein Engel Gottes bei ihm eintrat, und hörte, wie er zu ihm sagte: »Kornelius!« [...] 10 Da bekam er Hunger und wollte essen. Während das Essen zubereitet wurde, hatte er eine Vision. 11 Er sah den Himmel geöffnet und es kam daraus etwas auf die Erde herab, das sah aus wie ein großes Tuch, das an vier Ecken gehalten wird. 12 Darin befanden sich alle Arten von vierfüßigen Tieren, Kriechtieren und Vögeln. 13 Eine Stimme rief: »Auf, Petrus, schlachte und iss!« 14 Aber Petrus antwortete: »Auf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Verbotenes oder Unreines gegessen.« 15 Doch die Stimme forderte ihn ein zweites Mal auf und sagte: »Was Gott für rein erklärt hat, das erkläre du nicht für unrein!« 16 Und noch ein drittes Mal erging an Petrus dieselbe Aufforderung. Gleich danach wurde das Tuch samt Inhalt wieder in den Himmel hinaufgehoben. [Apostelgeschichte 10, 3;10-16 | Gute Nachtricht-Bibel] 2 Als sie einmal für einige Zeit fasteten und sich ganz dem Gebet widmeten, sagte ihnen der Heilige Geist: »Gebt mir Barnabas und Saulus für die besondere Aufgabe frei, zu der ich sie berufen habe!« [Apostelgeschichte 13, 2 | Gute Nachtricht-Bibel] 9 Dort in Troas hatte Paulus in der Nacht eine Vision: Er sah einen Mann aus Mazedonien vor sich stehen, der bat ihn: »Komm zu uns herüber nach Mazedonien und hilf uns!« [Apostelgeschichte 16, 9 | Gute Nachtricht-Bibel]

    Persönliche Fürbitte und Segnungsgebet

    kommt in vielen Gottesdiensten vor. Entweder am Ende des Gottesdienstes, so dass eingeladen wird, Gebet für sich zu empfangen, nach einem Eindruck oder nach der Predigt. Einige Gemeinschaftsglieder stehen bereit, für die zu beten, die das gerne möchten. Sie sind insofern darauf vorbereitet, als sie selber schon oft Gebet für sich empfangen haben und in der Regel einen Seelsorgekurs mitgemacht haben. Das Seelsorgegeheimnis ist für sie verbindlich.

    Kindergottesdienst

    Zur Zeit sind die Kinder anfangs mit den Erwachsenen zusammen im Gottesdienst. Nach der Begrüßung gehen sie in den Kindergottesdienst, der extra für sie und mit ihnen gestaltet wird. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unserer Kinderarbeit erzählen ihnen biblische Geschichten, behandeln ein Thema mit ihnen, malen und basteln mit ihnen, und auch das Gebet miteinander hat Raum und das Singen und Spielen. Weitere Informationen

    Persönliche Erfahrungsberichte

    Ab und zu gibt es einen Teil, in dem Einzelne Erfahrungen, die sie persönlich mit Gott gemacht haben, weitererzählen können. Sie erzählen von dem, wofür sie Gott danken wollen und wo sie besondere Erfahrungen mit Gottes Hilfe, Bewahrung, Leitung oder Reden Gottes gemacht haben. Das Vorbild dazu finden wir in den Psalmen, in denen wir nachlesen können, wie Einzelne des Volkes Israel vor die Gemeinde treten, erzählen, dass sie in Not waren, in der Not zu Gott gerufen haben und er ihnen geholfen hat. So wurde damals die ganze Gemeinde in ihrem Vertrauen zu Gott bestärkt und gab Gott die Ehre. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass solch ein Bericht mitunter ermutigender und herausfordernder sein kann als eine gute Predigt, weil er einfach direkt aus dem Leben kommt.

Birgit Schindler