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Glauben - Was ist das eigentlich ?

Glauben ist das Schlüsselwort des Christentums. Keine andere Religion hat so sehr den Glauben im Zentrum wie das Christentum. Graphisch könnte man das ungefähr so darstellen, wie es der Baum zeigt:

Baum des Glaubens

Der Baum symbolisiert das Christentum, die Äste die sichtbaren Äußerungen, Stamm und Wurzeln das Wesen, aus dem alles hervorgeht.

Daraus folgt die These:
Das Christentum ist nicht "Moral", besteht nicht aus Dogmen und hat seinen Kern nicht im Kultus. Diese drei Dinge sind vielmehr nur Äußerungen des Christseins, nicht aber sein Kern.

Sein Wesen besteht im Glauben an Jesus Christus. Dies ist der Hauptstamm, von dem alles ausgeht und alles getragen wird.

Nun gibt es zwei sehr verbreitete Missverständnisse zum Begriff Glauben:

Worum geht es positiv beim Glauben?

P. Tillich: "Glaube ist das Ergriffensein von dem, was mich unbedingt angeht." Es hat mit meinem Denken, Handeln und Fühlen zu tun. Es geht dabei um eine Dynamik, die einen Menschen packt und in eine neue Lebenswirklichkeit führt. Wurzelwerk und Quelle dieses Glaubens ist Jesus Christus, der als heute unter uns Lebender wie die Wurzel eines Baumes verborgen ist, ohne den aber der ganze Baum absterben würde und das Christentum nur noch Museumswert hätte.

Zusammengefasst:

  1. Beim Glauben handelt es sich um etwas sehr Elementares, Grundlegendes.

    Manche Menschen halten den Glauben für etwas Kompliziertes, doch er ist so einfach, dass alle Menschen glauben können. Für den Einstieg in den Glauben ist es nicht wichtig, alles zu wissen, was Theologen im Laufe der Jahrhunderte über Gott und sein Wort erarbeitet haben. Erkenntnis kommt stückweise. Es geht zunächst gleichsam darum, die Tür des Hauses Glauben zu finden und dann die Zimmer von Innen her kennen zu lernen.
  2. Der Glaube ist ein Geschenk

    etwas, das wir empfangen und nicht machen können. Gott will jedem Menschen den Glauben schenken, aber wir können ihn nicht erzwingen. Das fällt besonders den Menschen schwer, die meinen, alles selber regeln zu können.
  3. Glaube ist etwas Unbeweisbares.

    Das hat er gemeinsam mit vielen anderen wichtigen Dingen des Lebens, z.B. der Liebe, dem Vertrauen,... Ich habe zwar Gründe zu vertrauen oder zu lieben, kann beides aber nicht beweisen. Was ergibt sich daraus?
    Wir können die Klarheit über den Glauben nur durch ein persönliches Wagnis bekommen. Wenn wir dieses Wagnis jedoch eingehen, können wir völlige Gewissheit erlangen.
  4. Glaube drückt Beziehung aus,

    die Beziehung zur Person Gottes, die vertrauensvolle Beziehung, die sagt: Ja, ich glaube dir (Glaube im Sinne von geloben). Wenn ein Mensch also an Gott glaubt, hält er ihn für glaubwürdig, vertraut er ihm, vertraut er sich ihm an. Dabei geht es um eine Ich-Du-Beziehung.
  5. Beim Glauben handelt es sich um eine Entscheidung

    Zu dieser vertrauensvollen Beziehung muss ich mich entscheiden. Denn es geht nicht um eine Weltanschauung, sondern um einen Weg, den ich gehe. Diese Entscheidung ist weder vererbbar noch anerziehbar. Jeder Mensch muss sie einmal für sich treffen.
Birgit Schindler